6hunesseq

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Hoch lebe die Pfeifenorgel! 6hunesseq (ausgesprochen wird das übrigens ɤhunes:e) bedeutet „Feuchtigkeit“ in Võro, einer südestnischen Variante der estnischen Sprache. Zusammengefunden haben sich die vier Musikerinnen durch ihre gemeinsame Faszination für traditionelle estnische Volkschoräle im Jahr 2021. „Es gab eine Veranstaltung, bei der alle estnischen Folkmusik-Studenten von den verschiedenen Musikhochschulen zusammenkamen“, blickt Pfeifenorgel-Spielerin Kaisa Kuslapuu zurück. „Ich lernte diese beiden fantastischen Sängerinnen kennen und habe mich sofort in ihre Stimmen verliebt.“
„Was uns zusammengebracht hat, war auch das Material, das wir ausgewählt haben: Es waren die alten estnischen Volkschoräle und Volkslieder, die wir alle sehr faszinierend finden, weil die Melodien so schön und kunstvoll sind“, ergänzt Sängerin Marion Selgall.
Die Musikerinnen bringen auf ihrem Album „Ma Olen Maa Peal võõras“ (Als Gast auf der Erde wandere ich) nicht nur volkstümliche Choräle, sondern auch den Runo-Stil in die Gegenwart. „Runo-Lieder sind mehr als 2.000 Jahre alt“, berichtet Selgall. „Hier finden sich einige mythische Elemente. Die Musik ist meditativ, und die Melodie ist in der Regel einfach. Man kann sich in diese Tradition hineinbegeben und sich davontragen lassen.“
Greta Liisa Grünberg singt und spielt die Rosshaarharfe in der Band. „Mich treibt eine Sehnsucht nach einer Verbindung mit meiner Kultur, mit meiner Vergangenheit, einfach eine Verbindung mit meinen Wurzeln an“, sagt sie. „Ich habe immer nach etwas gesucht, das eine tiefere Bedeutung hat.“
Jahrhundertelang hat die Musik die Menschen in Estland zusammengeführt. „Musik war ein Mittel, um die harte Feldarbeit zu vergessen“, sagt Grünberg. „Die Menschen haben zu Hause viel Musik gespielt“. Die Esten sind sehr stolz auf ihre eigenständige Kultur. Mit der erneuten Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1991 kam es zu einer Renaissance der estnischen Volksmusik. „Vielleicht bringt unsere Musik die Menschen dazu, etwas zu denken oder zu fühlen, was sie schon lange nicht mehr gefühlt haben“, sagt Grünberg, „wie eine Verbindung mit etwas sehr Schönem.“
In der Musik von 6hunesseq trifft die reiche Welt der Volkschoräle auf die Pfeifenorgel und die archaischen Klänge der Talharpa und der Violine. Die beiden letzteren Instrumente werden häufig in der traditionellen estnischen Tanzmusik verwendet. Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Klänge und Klangfarben lässt eine meditative und doch kraftvolle Klangwelt entstehen. 6hunesseq lassen hier eine schon fast vergessene Stilform der traditionellen estnischen Musik wieder aufleben.
Viele der Albumsongs wurden in den alten Siedlungen der estnischen Schweden gesammelt, wo die Talharpa von alters her oft gespielt wurde. „Der Prozess der Auswahl Lieder für das Projekt war einfach – die Melodien und Texte dieser neun Lieder faszinierten uns bei unseren ersten Proben am meisten. Zusätzlich zu den Volkschorälen, befinden sich auch vier Runo-Lieder auf dem Album.“

Die Musikerinnen:
Marion Selgall (Vocals, Tamburin)
Greta Liisa Grünberg (Vocals, Talharpa, selbstgebaute Rahmentrommel)
Maria Mänd (Geige, Talharpa, Vocals)
Kaisa Kuslapuu (Pfeifenorgel)

Discografie

  • Ma olen maa peal võõras

    Ma olen maa peal võõras

    Erscheinungsjahr: 2024

    Katalognummer: NN179 / NN179LP

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